HIV – das Virus und seine Wirkungsweise
HIV ist ein Retrovirus. Das klingt nach Fachsprache, ist aber schnell erklärt: Retroveiren tragen ihre Erbinformation als RNA (nicht DNA) mit sich und schreiben sich dann in die DNA der Wirtszelle ein. Einmal drin, bleibt das Virus dauerhaft im Körper. Genau das macht HIV so hartnäckig – und gleichzeitig erklärt es, warum eine Heilung so schwierig ist.
Das Hauptziel von HIV sind die sogenannten CD4-Zellen, auch T-Helferzellen genannt. Diese Zellen koordinieren die Immunantwort des Körpers. Je mehr von ihnen der Virus über die Zeit zerstört, desto schlechter kann das Immunsystem auf Infektionen und andere Bedrohungen reagieren. Bei einer unbehandelten HIV-Infektion sinkt die Zahl der CD4-Zellen langsam aber stetig.
Ohne Behandlung kann dieser Prozess nach Jahren dazu führen, dass das Immunsystem so geschwächt ist, dass der Körper auch mit eigentlich harmlosen Erregern nicht mehr klarkommt. Dieses Stadium nennt man AIDS. Mehr dazu auf der Seite Was ist AIDS?
Wie wird HIV übertragen?
HIV kann nur über bestimmte Körperflüssigkeiten übertragen werden. Und auch nur dann, wenn diese Flüssigkeiten in ausreichender Konzentration vorhanden sind und direkt in den Blutkreislauf oder auf Schleimhäute gelangen. Die relevanten Flüssigkeiten sind:
- Blut
- Sperma und Präejakulat
- Vaginalsekret und Zervixflüssigkeit
- Muttermilch
- Rektale Sekrete
Die häufigsten Übertragungswege in Deutschland sind ungeschützer Geschlechtsverkehr und die gemeinsame Nutzung von Spritzbesteck beim Drogenkonsum. Von einer Mutter auf ihr Kind kann HIV während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder beim Stillen übertragen werden – mit moderner Medizin lässt sich dieses Risiko erheblich senken.
Was HIV nicht überträgt
Das lässt sich gar nicht oft genug sagen: HIV wird nicht durch Alltag übertragen. Kein Händeschütteln, keine Umarmungen, kein gemeinsames Essen, keine Toilette, kein Schwimmbad, kein Husten, kein Niesen. HIV ist im Gegensatz zu vielen anderen Viren ausgesprochen fragil – außerhalb des Körpers stirbt es schnell ab.
Auch Mücken übertragen kein HIV. Das wird manchmal gefragt, und die Antwort ist klar: nein.
Verlauf einer HIV-Infektion
Eine HIV-Infektion verläuft in der Regel in drei Phasen, wenn sie nicht behandelt wird. Mit einer rechtzeitigen Therapie bleibt man dauerhaft in der ersten Phase oder sogar davor – ohne dass sich an der Lebensqualität groß etwas ändert.
1. Akute HIV-Infektion
Zwei bis vier Wochen nach einer Infektion erleben viele Menschen eine grippeähnliche Phase. Fieber, Müdigkeit, geschwollene Lymphknoten, manchmal ein Hautausschlag. Das geht in der Regel nach ein bis zwei Wochen von selbst wieder weg. Viele bemerken diese Phase gar nicht oder ordnen sie einer anderen Ursache zu. In dieser akuten Phase ist die Viruslast im Blut besonders hoch – was das Übertragungsrisiko erhöht.
2. Chronische HIV-Infektion (asymptomatische Phase)
Nach der akuten Phase tritt HIV in eine lange, oft jahrelange asymptomatische Phase ein. Das Virus ist weiterhin aktiv, vermehrt sich langsam, aber die Person hat in dieser Zeit keine oder kaum Beschwerden. Ohne Therapie dauert diese Phase im Schnitt zehn Jahre – mit Therapie kann man dauerhaft in diesem stabilen Zustand bleiben.
3. Fortgeschrittene Infektion / AIDS
Wenn die CD4-Zellen unter einen bestimmten Wert fallen und sogenannte AIDS-definierende Erkrankungen auftreten, spricht man von AIDS. Das ist heute mit guter medizinischer Versorgung in Deutschland selten – weil Therapie früh und gut funktioniert.
HIV-Infektion und Viruslast
Neben dem CD4-Wert ist die Viruslast ein zentraler Parameter in der HIV-Medizin. Sie gibt an, wie viel Virus im Blut messbar ist. Bei einer effektiven Therapie sinkt die Viruslast unter die Nachweisgrenze – man sagt dann, sie ist „nicht nachweisbar" oder „supprimiert".
Das ist nicht nur gut für die eigene Gesundheit, sondern auch relevant für das Thema Übertragung: Eine nicht nachweisbare Viruslast bedeutet, dass HIV beim Sex nicht weitergegeben wird. Diese wissenschaftlich gut belegte Tatsache wird als U = U zusammengefasst: Undetectable = Untransmittable, zu deutsch: Nicht nachweisbar = Nicht übertragbar.
Mehr zu Therapie und U = U findet sich auf der Seite HIV-Therapie.
Wie viele Menschen leben in Deutschland mit HIV?
Das Robert Koch-Institut schätzt, dass in Deutschland rund 90.000 Menschen mit HIV leben. Etwa 8.000 davon wissen nichts von ihrer Infektion – was eines der wichtigsten Argumente für regelmäßiges Testen ist. Wer seinen Status nicht kennt, kann keine Therapie beginnen und das Risiko einer unbeabsichtigten Übertragung nicht einschätzen.
Global gesehen leben nach Schätzungen der UNAIDS über 39 Millionen Menschen mit HIV. Der Großteil davon in Subsahara-Afrika, wo der Zugang zu Behandlung deutlich schlechter ist als in Deutschland.
Kann man HIV ansehen?
Nein. Das ist wichtig zu betonen, weil es immer noch die irrige Vorstellung gibt, dass man HIV-positive Menschen irgendwie erkennen kann. HIV-positive Menschen sind in aller Regel gesund, aktiv, berufstätig und im Alltag nicht von anderen zu unterscheiden. Erst im sehr späten Stadium, wenn AIDS-definierende Erkrankungen auftreten, wird die Erkrankung äußerlich sichtbar – und das lässt sich mit Therapie verhindern.