Prävention ist mehr als ein Kondom

Kondome sind seit Jahrzehnten das bekannteste und wichtigste Schutzmittel gegen HIV – und gegen viele andere sexuell übertragbare Infektionen. Aber Prävention ist heute breiter aufgestellt. PrEP, PEP, U = U und regelmässiges Testen sind Werkzeuge, die je nach Situation sinnvoll eingesetzt werden können.

Prävention ist keine Morallehre. Kein Schutzmittel bedeutet nicht automatisch Leichtsinn, und kein Mensch schuldet anderen eine Erklärung für seine Entscheidungen rund um Sex und Gesundheit. Was zählt ist, dass Entscheidungen informiert getroffen werden.

Kondome: Der Klassiker mit guten Gründen

Bei konsequenter und korrekter Anwendung reduzieren Kondome das HIV-Übertragungsrisiko bei vaginalem und analem Sex sehr stark. Gleichzeitig schützen sie vor vielen anderen sexuell übertragbaren Infektionen: Gonorrhö, Chlamydien, Syphilis, HPV. Das ist ein Vorteil, den keine andere HIV-Präventionsmethode bietet.

Was Kondome erfordert: korrekter Einsatz – das richtige Kondom, die richtige Grösse, frühzeitig angelegt, ohne Beschädigungen. Fehler in der Anwendung senken die Schutzwirkung. Kondome sind kostenlos oder günstig verfügbar, bei Beratungsstellen oft umsonst.

PrEP: Vorbeugung mit Medikamenten

Die Prä-Expositions-Prophylaxe ist für HIV-negative Menschen mit erhöhtem Risiko gedacht. Bei korrekter täglicher Einnahme schützt sie zu über 99 Prozent vor HIV. Seit 2019 wird PrEP in Deutschland für bestimmte Personengruppen von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen.

PrEP schützt nicht vor anderen STIs. Wer PrEP nimmt, sollte das STI-Screening alle drei Monate nutzen, das Teil der PrEP-Begleitung ist. Mehr dazu auf der eigenen PrEP-Seite.

U = U: Nicht nachweisbar bedeutet nicht übertragbar

Eine der wichtigsten Erkenntnisse der HIV-Medizin der letzten Jahre: Wer HIV-positiv ist, eine wirksame Therapie macht und eine dauerhaft nicht nachweisbare Viruslast hat, kann HIV beim Sex nicht übertragen. Das ist durch grosse klinische Studien belegt.

U = U ist keine Aufforderung, alle anderen Schutzmassnahmen wegzulassen – aber es verändert die Risikobeurteilung grundlegend. Für serodifferente Paare, also Paare, in denen eine Person HIV-positiv und eine HIV-negativ ist, bedeutet U = U in vielen Fällen: kein zusätzlicher Schutz mehr nötig, wenn die Therapie stabil läuft.

PEP: Die Notfallbehandlung nach einem Risikokontakt

PEP steht für Post-Expositions-Prophylaxe. Sie ist keine Verhütungsmethode im eigentlichen Sinne, sondern eine Notfallmaßnahme nach einem möglichen HIV-Kontakt. PEP muss innerhalb von 72 Stunden nach dem Kontakt begonnen werden – je früher, desto besser.

Sie besteht aus einer 28-tägigen Einnahme von antiretroviralen Medikamenten. Wenn rechtzeitig begonnen, ist die PEP in den meisten Fällen wirksam. Auf Nummer sicher ist man aber nicht – sie ist keine Garantie. Und sie ist kein Ersatz für regelmässige Prävention.

Wer PEP braucht, geht sofort in eine Notaufnahme, eine HIV-Schwerpunktpraxis oder eine Beratungsstelle. Zeit ist in diesem Fall das Entscheidende.

Wann kommt PEP in Frage?

  • Ungeschützter Anal- oder Vaginalverkehr mit einer Person, die HIV-positiv ist und keine supprimierte Viruslast hat
  • Nadelstichverletzungen mit HIV-kontaminiertem Besteck
  • Sexueller Übergriff

PEP wird nicht bei jedem Risikokontakt eingesetzt. Ob sie im Einzelfall sinnvoll ist, beurteilt ein Arzt anhand der konkreten Situation.

Regelmässiges Testen als Bestandteil der Prävention

Wer seinen eigenen HIV-Status kennt, kann bessere Entscheidungen treffen – für sich selbst und für andere. Regelmässiges Testen ist kein Zeichen von Leichtsinn, sondern von Verantwortung. Wer HIV-positiv ist und es weiss, kann sofort mit einer Therapie beginnen und kommt über U = U in eine Situation, in der er andere nicht mehr gefährdet.

Wie oft man testen sollte, hängt von der eigenen Lebenssituation ab. Wer häufig wechselnde Partner hat, sollte mindestens alle drei bis sechs Monate testen. Mehr zum Thema auf der HIV-Test-Seite.

Welche Methode passt zu wem?

Methode Schutz vor HIV Schutz vor STIs Für wen besonders geeignet?
Kondom Sehr hoch (bei korrekter Anw.) Ja Alle
PrEP Sehr hoch (>99%) Nein HIV-negative Personen mit erhöhtem Risiko
U = U 100% (bei supprimierter VL) Nein HIV-positive Personen mit stabiler Therapie
PEP Hoch (wenn rechtzeitig) Nein Notfall nach Risikokontakt

Prävention und Drogenkonsum

Ein wichtiger und oft ausgeblendeter Übertragungsweg ist das gemeinsame Nutzen von Spritzbesteck beim Drogenkonsum. Jede Spritze sollte nur einmal benutzt werden. In vielen deutschen Städten gibt es Drogenhilfe-Einrichtungen, die sauberes Besteck ausgeben. Das senkt das HIV-Risiko drastisch und ist ein niedrigschwelliges, wirksames Präventionsangebot.

Wer Probleme mit Drogenkonsum hat und Unterstützung sucht, findet Anlaufstellen bei der lokalen AIDS-Hilfe oder den Beratungsstellen auf unserer Beratungsseite.

Hinweis Wer Fragen zur eigenen Gesundheit hat, wendet sich an medizinische Fachstellen. Diese Seite bietet Infos und Orientierung, keine Diagnose.

Häufige Fragen zur HIV-Prävention

Kann man HIV durch Oral-Sex bekommen?
Das Risiko bei oralem Sex ist sehr gering, aber theoretisch nicht null – besonders bei offenen Verletzungen im Mund oder im Genitalbereich. In der Praxis sind Übertragungen durch Oralsex extrem selten und spielen epidemiologisch kaum eine Rolle. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann Kondome oder Dentalschilde verwenden.
Schützt mich U=U auch wenn ich kein Kondom benutze?
Ja, bei HIV – vorausgesetzt die HIV-positive Person hat eine dauerhaft supprimierte Viruslast. U = U schützt aber nicht vor anderen STIs wie Gonorrhö oder Syphilis. Das ist der entscheidende Unterschied.
Wo bekomme ich kostenlos Kondome?
Bei AIDS-Hilfen und anderen Beratungsstellen liegen Kondome oft kostenlos aus. Manche Gesundheitsämter und Jugendzentren bieten das ebenfalls an. In der Apotheke oder im Drogeriemarkt sind sie günstig verfügbar.
Kann man sich trotz PrEP mit HIV infizieren?
Bei korrekter und konsequenter Einnahme ist das Risiko mit über 99% Wirksamkeit extrem gering. Wer aber Tabletten auslässt oder die Einnahme unregelmässig ist, kann den Schutz schwächen. Ausserdem gibt es in sehr seltenen Fällen HIV-Stämme, die resistent gegen den PrEP-Wirkstoff sind.